Kette für die Kleine am Tag und jetzt stehe ich am offenen Fenster und gucke mir einen senkrechten Streifen Nachthimmel an, der heller ist als die anderen, in einem funkenschlagenden Leben das sich anfühlt wie Sodbrennen mit Dauerkarte, weil das keine Party-mich-tot-Silvester-Funken sind sondern eher die Funken, die auf dem Hallenboden einer beliebigen Werft tanzen, während darüber ein anonymisierter Typ eine Millionenyacht zusammenschweißt und dabei bis zur nächsten Zigarettenpause denkt.
Ich ziehe mir die Jacke an und geh runter auf die Straße, in die U-Bahn, Leiden sie an häufig wiederkehrenden Depressionen? werde ich gefragt und nein danke, ich fühle mich nur wie ein angefahrener Elch, der freundlich lächelnd und reichlich orientierungslos im Stadtverkehr rumtorkelt, stocknüchtern, auf gebrochenen Beinen. Zum Halloween hat er sich die Maske eines Werftarbeiters übergezogen.
Schnitt zurück in die Nacht, Stunden vorher, im Zimmer, kurz vor Tagesanbruch, um genau zu sein. Papierschiffchen mit Notizen, holprig, oft ungestüm, die meisten sind Totgeburten, Fehlkonstruktionen, nicht schwimmfähig, sie lesen sich wie nach dem Abspritzen. Wenige brauchbare, zusammenhängende Kapitel, die ich hektisch bis verzweifelt zusammensuche. Dann klingelt der Wecker und die Nacht ist vorbei.
Der Geruch geschmolzenen Metalls liegt in der saukalten Luft. Ein paar von den Anderen haben ihre Lottoscheine mitgebracht und hängen mit den rosa Zetteln über ihren Zeitungen. Ich gucke mir die Titten und schlechten Nachrichten auf der Rückseite an und male mir die Parties aus, die nach dem Stapellauf in dieser 1st Level Bar stattfinden werden. Lauwarmer Kaffee aus der Thermoskanne, trockenes Brot mit trockener Salami drauf, ein halbes Dutzend gelangweilter Nutten, die ohne Helm und Sicherheitsschuhe hier rumlaufen.
Digitales Geheul markiert das Ende der Pause .
Steinbart, November 2010.




