Gestern Abend brachte ein Bote das Ticket und einen Seesack für mein Zeug. An dem Beutel aus schwerem Leinen hängt ein kleines Pappschild mit meinem Namen und einer Nummer in den unteren Hundertern.
“Sie werden verstehen, dass sie nur das mitnehmen können was hier reinpasst.”
Im Seesack finde ich eine kleine Broschüre. Der menschliche Körper in Beschleunigungs-Szenarien. Allgemeine Informationen zu den bekannten Fliehkräften. Ernährung, Stuhlgang, Psyche. Muskeltraining in Schwerelosigkeit. Vier Übungen pro Satz, fünzehn Durchgänge pro Übrung, drei Sätze über den Tag verteilen. Gummiband nicht vergessen. Weiter hinten Troubleshooting-Tips und ein Glossar von A wie Anoxisch bis Z wie Zeit (Verlust des Z.-Gefühls).
Später erwache ich aus einem Traum am Strand, wo ich meinen Vater mit schwarzem Klebeband an einen Baum fixiere. Eine Umrundung nach der anderen. Das Band hat kein Ende. Er flucht und schreit und ich klebe ihm den Mund zu. Als sich die Welle am Horizont aufbaut, stehe ich bereits oben auf dem Damm, im Sturm unter Hochgeschwindigkeits-Wolken, in Sicherheit.
Ich öffne die Augen und finde die Broschüre auf dem Boden neben dem Sofa. Das Glossar enthält keinen Eintrag für Ertrinken.
Steinbart, November 2011.




