Auf einer Brücke aus Stahl warte ich auf den nächsten Zug. Drei oder vier Stunden nach Mitternacht und es scheint, als habe sich die gesamte Stadt gegen mich verschworen, Wunden lecken im Nieselregen, nach einer bekloppten Schlacht im Januar 2012, dem Jahr der Apokalypse, Ruhm oder Untergang, Scheiße, und kalt geworden ist es auch.
Glamourösen Abgang hingelegt auf der Party vorhin, erschlagen von Ambitionen, die auf dem Sofa ihre Bodies aneinanderquetschen oder mit dem Rücken an den Wänden lehnen, an Cocktails nippen oder vorsichtig ihre Flasche Bier Bier (letzte Saison) über den Abend verteilen, ey Alter, na klar, endgeil… Scheiße, ich kann die nichtmal auseinanderhalten. Und obwohl die Boxen am Anschlag laufen und alle irgendwas zur Musik machen weht ein ziemlich frostiges Windchen durch die Bude – das ist der Tod, denke ich mir – ey Alter, kennen wir, endgeil…
Was für beschissen mutlose Parties das sind, krankhaft korrekt, ohne Seele und voller Verstand. Und wenn doch mal einer auf den Stuhl klettert, ein Gedicht aufsagt und aus dramaturgischen Gründen ein paar Gläser and die Wand schmeißt, dann holen die ihn ganz schnell da runter und beruhigen ihn, statt dem Mann zu applaudieren und ihm das nächste volle Glas in die Hand zu drücken.
Entferntes Rumpeln zieht die Augenlider auf und mein Blick gleitet langsam über die Stadt, die unscharf da liegt in der kalten, feuchten Luft. Millionen funkelnder Brillanten aus Ampellichtern, Straßenlaternen und Werbeschildern, dann rast der Zug durch und ich nehme die feuchte Höllendusche voll mit, die dröhnenden Vibrationen, das Zittern und auch das Kreischen.
Steinbart, Januar 2012.




