Da ist erstmal das Grau. Eigentlich kein sonderlich böses Grau, kein Weltuntergangsgrau aus dem Kino, mit überzogenen Kontrasten und der dramatischen Vignette. Es ist einfach so, dass die Sonne nicht mehr rauskommt, der Himmel wolkenverhangen ist und das schon seit Wochen. Wir wachen morgens in derselben farblosen Undeutlichkeit auf, in der wir uns ins Bett gelegt haben. Und wir gehen zur Arbeit.
Dann der Sturm. Kein sonderlich böser Sturm, kein Weltuntergangssturm aus dem Kino, mit wackeliger Handkamera und Autos, die mit dem Boden voraus auf uns zufliegen. Es ist einfach so, dass es stürmt. Wir gehen mit dem Heulen ins Bett und wachen mit dem Heulen wieder auf. Dann ziehen wir uns an und gehen zur Arbeit.
Der Sand stellt ersten Erkenntnissen nach ebenfalls keine Gefahr für die Zivilbevölkerung dar. Wir entdecken kleine Dünen an den Bordsteinkanten, in den Hauseingängen größere. Feiner Sand, der sich farblich kaum vom Himmel und dem Sturm unterscheidet. Sand, den wir aus unseren Klamotten und den Lebensmitteln schütteln. Wir gehen weiter zur Arbeit, tippen Emails auf knirschenden Tastaturen und rühren sandigen Kaffee um.
Einige Monate sind einfach vergangen. Wir sind etwas bleicher geworden, Kellerkrankheit, mittlere Depressionen, sogenannte nervöse Zustände. Das es Flüchtlinge gibt, wird erst vertuscht und als das nicht mehr möglich ist, werden die Statistiken manipuliert und als semitransparente Randnotiz zwischen die atomaren und wirtschaftlichen Bedrohungen geschoben. Wir wälzen uns weiter jede Nacht von einer Seite auf die andere, zählen unsere Ängste, eins, zwei, drei, vier, wie ich mir, so ich mir, die Augen hängen halboffen und unscharf in der windigen Dunkelheit jenseits unserer Schlafzimmer, fünf, sechs, kein Sex (der Sand, der verfickte Sand!), sieben, acht, gute Nacht.
Hol mich doch endlich, Schlaf. Ich muss früh wieder raus.
Steinbart, Januar 2012. Dialog an der Gegensprechanlage.
