Noch so ein Morgen

An einigem sonnigen Morgen im August wachte ich ziemlich verkatert auf. Neben dem Bett lag eine Flasche Wasser, die ich umgehend leerte, um anschließend meine Wange auf dem Handrücken abzulegen. Irgendwo ging eine Dusche an, Kindergeschrei von woanders, ein kläffender Köter. Regelmäßige Atmung war zu einem Knochenjob geworden. Mir lief der Speichel aus dem Mund und warm über den Handrücken und aus irgendeinem Grund konnte ich mich darüber ein bisschen freuen. Dann brummte mein Handy. Ich wartete – zählte langsam los. Bei dreiundzwanzig wurde es wieder still. Meine Lider schlossen sich dankbar und ich verflüchtigte mich zu einer kleinen, schwarzen Kugel, wurde in die Höhe gezogen – alles schwarz, ohne Geländer oder Gravitation. Wieder das Handy. Ich tastete nach meiner Hose, fischte es aus der Tasche. Ich brachte ein Krächzen zustande.

“AL-TER!!! Alles gut bei dir? Hast ja ganz schön die Sau gemacht letzte Nacht!”

Ich konnte mich nicht erinnern und versuchte stattdessen, die schwarze Kugel nicht zu verlieren. Mein Gesprächspartner senkte konspirativ die Stimme. Wahrscheinlich blickte er sich in alle Richtungen um und schirmte sein Telefon mit der Hand ab.

“Ist was gelaufen, mit der kleinen Dicken?”, flüsterte er. Die wenigen Erinnerungen an die letzte Nacht gaben nichts her. Meine Zunge schwoll an.

“Was’n für ‘ne Dicke?”, stöhnte ich.

“Mann, du hörst dich ja abgefuckt an. Penn dich erstmal aus. Wir probieren das später nochmal.”

“Was’n für ‘ne Dicke?!” versuchte ich noch mal etwas lauter, doch die Leitung war bereits tot. Ich ließ das Handy fallen und drehte mich um. Mit geschlossenen Augen suchte ich nach der Titte, fand sie und steckte mir den Nippel in den Mund.

(2002)


Steinbart, Januar 2010.


 

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