Monochromer Mondschein am See, ein umgekipptes Fahrrad und Sterne auf der Haut, feste Nippel in der nächtlichen Kühle, Restglut ein paar Schritte weiter. Eingewickelt in klamme Handtücher hocken wir auf einem Baumstamm, rauchen und trinken und klappern mit den Zähnen. Aber nur ich würde bleiben bis die Sonne kommt. Ein paar Kilometer später dann also das Pflichtprogramm vor den Lautsprechern, vor der kleinen Bühne des angesagten Geheimtips, bunte Lichter aufgeblendet, alles ist grell, disko und ziemlich laut.
Hier tanzen Abbilder den Metatanz, bei dem es nicht darum geht, die innere Sau rauszulassen, sondern ausschließlich darum, wie die eigenen Moves anschließend auf dem Display aussehen – und im Profil am nächsten Tag. Man wechselt sich ab beim Hochhalten der Telefone, jeder darf mal vor und hinter die Kamera und die Musik bleibt draußen während man die Köpfe zusammensteckt und anguckt, was man vor ein paar Sekunden erlebt hat. Todtraurige Rampensäue, Marionetten des eigenen Egos, Hohlkörper ohne Leidenschaft. Und wo wir gerade dabei sind fühle ich plötzlich wie sich ihre Zunge in meinem Hals drängelt und wie sie gleichzeitig versucht, eine Hand in meine Hose zu kriegen und wir fallen nach hinten, ein Tisch geht zu Bruch und mit ihm alle Getränke und als wir wieder stehen, mit nassen Ärschen und blauen Flecken, kriegen wir uns nicht mehr ein vor Lachen, halten uns die Bäuche bis wir Tränen in den Augen haben. Und der Handy-Zirkel drumherum macht artig seine Notizen.
Steinbart, September 2011.




