Literatur ohne Zuhälter

Weil ich immer wieder darauf angesprochen werde, warum ich denn nicht bei einem Verlag und ob ich denn nicht doch zu einem Verlag und… NEIN.

Ich sags nochmal ganz langsam und leise: Nein. Und jetzt will ich kurz darlegen, warum meine Bücher im Selbstverlag erscheinen und warum sich das auch nicht ändern wird.

Ganz nüchtern betrachtet sind Verlage nichts mehr als ein Haufen fettleibiger Zuhälter, die sich im Hinterzimmer mit goldenen Blasröhrchen die Nase pudern, während wir Schreiber vorn im schimmeligen Schaufenster unseren Arsch hinhalten. Den Jungs da hinten am offenen Kamin ist es scheißegal ob du dich für den nächsten Ezra Pound hältst oder vor hast, mit deiner Schreibe die Welt zu retten. Hauptsache, du fährst Kohle ein.

Kein Vorwurf. Es liegt ja in der Natur des Zuhälters, wirtschaftliche Interessen zu vertreten. Und wenn ihre abgesandten Helfer (im Bereich der Literatur sind das die Lektoren) dein Werk inspizieren, dann geht es in erster Linie darum, besagtes Werk einem möglichst großen Publikum zugänglich zu machen. Unter dieser Flagge wird dann solange an deinem Text geschraubt, bis er auch den letzten Idioten unterhält.

Und warum ist das nicht scheißegal?

Die Erweiterung des Bewußtseins, also der Art und Weise wie wir die sogenannte Realität wahrnehmen, ist eine Grundvoraussetzung für den Schritt auf die nächste Stufe der Evolution. Mit unserem derzeitig installierten Glaubens- oder Realtitätssystem jedenfalls wird das nichts. Wir drehen uns fleißig im Kreis und das Zentrum des Universums sind immer wir, unser Ego. Solange wir den Kontakt zum Unbewußten, zum wahren Wesen unseres Selbst nicht wieder herstellen können, bleiben wir die selbstsüchtigen Halbaffen die wir heute sind. Traurige Gefangene einer traurigen Realität.

Und das wissen wir.

Es ist ein langer Weg nach Unbewußtsein, dem Großen Kosmos, besonders wenn man zu Fuß unterwegs ist. Doch die Schamanen haben wir bereits ausgerottet oder zu profitablen Touristenfallen umfunktioniert,  psychedelisch wirkende Substanzen wurden allesamt illegalisiert und abgesehen davon wird nichts unterlassen, um den spirituell Interessierten zu einem bedauernswerten Idioten zu machen, der den Anforderungen des Lebens nicht mehr gewachsen ist.

Unsere Sprache schafft unsere Realität und damit auch die Grenzen unserer Vorstellung. Sie ist der Schlüssel und das beste Werkzeug, um diese Grenzen wieder einzureißen. Und ich werde mir von niemandem erzählen lassen, wie ich meine Abrissbirne zu schwingen habe.

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