Galaxie Tequila

Es gibt einen Spiegel in meinem Bad und daneben klebt ein handgemalter, strahlender und junger Mann im Anzug und Heiligenschein, der mir ein volles Schnapsglas entgegenstreckt. Über seiner Fönfrisur steht in zackigen Western-Buchstaben “TEQUILA!” und am unteren Bildrand etwas kleiner “Hast du heute schon deine Toilette umarmt?”. Ich habe das Bild aus einer russischen Zeitung ausgerissen, kann also nur ahnen, worum es in der Welt geht – außerhalb der Galaxie Tequila.

Mir ist schmerzlos und ohne dass ich es bemerkt hätte über Nacht ein neues Paar Lider gewachsen, erkennbar nur an dem feinen roten Rand zwischen den Augäpfeln und den alten Lidern, mit denen sie (noch?) verbunden sind. Ich zeige das Mönch, der hinter meinem Spiegelbild vorbeigeht.

“Was meinste, soll ich zum Arzt damit?”

“Na ich würd erstmal abwarten, ob da noch was kommt. Vielleicht erreichst du gerade die nächste Stufe der Evolution. So ein übermotivierter und schlecht bezahlter Mediziner könnte alles ruinieren.”

Ich höre Mönch beim pissen zu während ich mit jeweils zwei Fingern die Augäpfel bloßlege und plötzlich aussehe wie mein eigenes Skelett. Mir kommen die Tränen und ich breche das Experiment ab, frage Mönch stattdessen, wer da auf meinem Sofa pennt. Er nennt den Namen einer Frau und eines Mannes, Leute, die sonstwer sein könnten. Ich bitte Mönch, sie rauszuwerfen. Anschließend werfe ich Mönch raus.

Zwanzig Stunden bis zum Rückflug zu Steuern und Versicherungen. Galaxie Tequila. Ich hoffe nicht, dass sich die Lage normalisiert.


Steinbart, Mai 2011.


 

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