Ich klicke mich durch meinen Feedreader und komme mir vor wie ein Kriegsreporter ganz vorne an der Front, wo es keinen Schlaf gibt. Dünnhäutige Kopien von Soldaten, die Menschenrechtsverletzungen aus schlechten Pornos nachstellen. Trümmerweise Kunst. Gold, ja. Verirrte Kinder mit abgerissenenen Körperteilen im Rucksack, die auf der Suche nach einem Erziehungsberechtigten ihren kleinen Arsch verkaufen. Langeweile sichert mit vier Armeen den Nachschub, der Nachschub ist also gesichert. Turbolenzen am Erdloch, unserm provisorischen Scheißhaus hier. Meldung: Ein toter Gefreiter. Dem ist der Druck im Darm zu groß geworden, geradezu übermenschlich, Herr Hauptmann. In die Hose scheißen kam für ihn jedenfalls nicht in Frage. Hat ihn voll erwischt. Schlimme Sache, sowas. Und wie in jedem anständigen Krieg überall Nutten, männliche und weibliche, gläserne Nutten auf der Suche nach einem Kunden, der noch nicht völlig durchgedreht ist und etwas Geld in der Tasche hat.
Eingestöpselte Zombies. Hoffen wir, dass ihnen nie der Strom ausgeht oder der Provider kündigt, dass ihre Laptops mit dem Wasser des ewigen Lebens gesegnet sind.
Steinbart, September 2011.




