sitzt du jetzt über deiner Voynich Farbkopie, während draußen immer absurdere Gesetze entworfen und in Kraft gesetzt werden – und ich bin eifersüchtig. Diese Nacht liegst du quer auf dem Bett, im Schein deiner Taschenlampe, die bunten Seiten auf dem Boden, im Staub die Sprache, die auch der schlechte Scherz eines schülerlosen Lehrers gewesen sein könnte, ein umfangreicher Scherz, mit seinen
zweihundertvierunddreißig
Seiten.
Draußen hängt ein wirklich großartiger Mond über der Straße. Dein nacktes Fleisch ist weiß davon. Ich bleibe am Fenster stehen und betrachte deinen Arsch, eine Hand am Schwanz und die andere winkt den Touristen zu, die jenseits der Scheibe wie die Lemminge ins Kasino marschieren. Dann,
in den lebendigen Bädern: Meine Zunge gleitet deine Spalte hinunter zur Knospe (du bleibst auf dem Bauch liegen, hebst aber deinen Hintern soweit an, dass ich dich gut erreichen kann) und ich höre weichen Atem deine Lungen füllen, die Taschenlampe über den Boden rollen. Kreisförmige Galaxien aus tiefblauer Tinte, Muskeln an den Haltestellen der Spasmen-Transport-Gesellschaft, hoffnungsvoll gespreizte Schenkel, Wunderland, oh!
Mein Gott, bist du jemals im Krankenhaus aufgewacht und hattest keine Ahnung, wie du dort hingekommen bist? Hattest du jemals Panik, die Wasseroberfläche nicht rechtzeitig zu erreichen?
Es ist jetzt fast vier Uhr und kaum noch Licht übrig. Der Beat bewegt sich auf seine Auflösung zu, alles übersteuert, in den roten Bereichen und wir halten gemeinsam den Atem an, halten es kaum aus. Gott an den Reglern. Gott unter mir in der Kloschüssel, auf der ich hocke und diese Bilder in ein billiges Notizbuch male.
Steinbart, April 2011.




