Das neunte Notizbuch ist grün und unliniert. Nicht, dass ich auf das Grün scharf gewesen wäre, das war eher ein Zufall. Jetzt liegt das Ding zugeklappt vor mir, fremd und steif wie ein Paar neuer Schuhe. Ich löse das Gummiband, schlage die erste Seite auf und schreibe meinen Namen auf die Linie Name, meine Email darunter. Dann ziehe ich den Rechner ran und buche einen Flug mit der Lufthansa. Ich notiere das als ersten Eintrag. Kein Traum, kein rauschendes Fickfest. Die Buchung eines Fluges nach Helsinki.
Helsinki bedeutet, diesen Raum zu verlassen. Glückwünsche im Postfach, ein richtiges Abenteuer. Stattdessen fühle ich mich wie ein Orang-Utan, der seine vorzeitige Entlassung kassiert hat.
“Kumpel, wir haben dich gewarnt: Hör auf unsere Besucher mit deiner Scheiße zu bewerfen. Tja. Jetzt sehen wir uns leider gezwungen bla cetera und noch viel Glück.”
Orang-Utan im Flugzeug. Orang-Utan im Auto Richtung Nordpol, durch endlose, ungezähmte Wälder, beobachtet von Elchen, Bären und russischen Grenzposten. Teil Drei: Orang-Utan auf dem Schiff.
Dieses Gebet geht an die Schutzheiligen der Piloten, Fahrer, Kapitäne. Und an den der russischen Scharfschützen. Lasset ihre Manneskraft feurig sprühen in der Nacht zu meiner Reise. Auf dass ihr Schlaf selig sei und frei von bösen Träumen. Auf dass ihre Weiber fette Frühstücke auftischten am Morgen unserer Zusammenkunft, in Gewändern, die den Blick gewähren lassen auf die Herrlichkeit ihrer Möpse. Amen.
Nichts ist riskanter als ein untervögelter Personentransporteur.
Steinbart, 16. Juli 2012.

