Der Mann aus China, zu finden am nördlichen Ausgang des S-Bahnhofs Sonnenallee, ist die einzig wirklich verlässliche Konstante in diesem instabilen, faulenden Biotop, das die Bezeichnung Neukölln trägt (gerade erst haben sie meinen Aldi dichtgemacht). Niemals fluchend, niemals zitternd, keine Spur von Schwäche. Er ist da, wenn die Sonne über dem Wärmekraftwerk aufgeht und er ist da, wenn sie auf der anderen Seite wieder untergeht. Bei schlechtem Wetter stellt er sich unter die Brücke oder in den Eingang des Bahnhofs, die Hände tief in den Taschen und eine Dampfwolke vor dem Gesicht. Er quatscht niemanden an, wirft nicht mit aufdringlichen Blicken um sich. Mit asiatischer Zurückhaltung wickelt er sein Zigarettenbusiness ab und wenn er gerade nicht beschäftigt ist, summt er ein kleines Lied in den Kragen seiner Plastikjacke.
Oh kleiner Mann aus China, wer hat dich in dieses Flugzeug gesetzt?
Steinbart, März 2011.




