Die Fette hinter der Theke polierte ein Glas nach dem anderen und immer wenn sie eins ins staubige Regal gestellt hatte, warf sie mir einen Blick zu der einer wuchtigen Geraden in nichts nachstand. Ich war der letzte Gast, seit Stunden, und draußen drohte sich der Morgen an. Ein klarer Morgen mit frischem Licht, der Illusion von Neubeginn und allem, was sonst noch dazugehört wenn der große Vorhang beiseite gezogen wird und das Spektakel wieder von vorne losgeht. Zitternd vor Müdigkeit und einsetzender Ernüchterung hatte ich mir dafür einen klugen Plan zurechtgelegt: Kippen kaufen, schlafen gehen.
Als ich vom Zigarettenautomaten im hinteren Teil des Ladens zurückkam, hatte sich jedoch einiges geändert. Zum einen fiel jetzt trübes Licht in Streifen durch die Jalousien auf den klebrigen Fußboden. Zum zweiten war mein Bier weg und als wäre damit nicht genug, saß noch ein mir völlig fremdes Mädel auf meinem Hocker.
“Ein Bier”, sagte sie als wäre es elf am Abend. “Haben sie Becks? Ein Becks!”
Der Leib hinter der Theke warf das Geschirrhandtuch in die Ecke hinter der Spüle, stützte die kolossalen Arme auf die Theke (was zur Folge hatte, dass diese enormen Titten hervorgedrückt wurden, Nähte knirschten, schlaffes Gewebe, reife Eiterpickel… und so weiter). Jedenfalls ging der rosa Mund auf und diese krächzende Stimme sagte: “Hier ist Schluss für heute, Kleines, gibt kein Bier mehr.”
Ich vergaß die Geschichte mit dem Hocker und setzte mich neben sie. Sie nahm keine Notiz von mir sondern blickte der Fetten fest in die Augen. Die Kleine hatte Stehvermögen. Nach einer Weile allerdings wandte sie sich gelangweilt ab und wühlte in ihrer engen Hosentasche nach einer zerknüllten Schachtel Zigaretten. Ich nutzte meine Unsichtbarkeit, um sie mir genauer anzusehen: Schwarze Haare bis über die Schultern, leicht versoffenes Gesicht, hohe Stirn, zu große Nase, schöne Zähne. Vielleicht fünfundzwanzig. Kein Wrack. Eher eine, die gerade eine schlechte Zeit durchmacht. Da sie mir plötzlich den Blick zuwandte schob ich die Begutachtung ihres Körpers auf später.
“Feuer?”, fragte sie.
Ich gab ihr Feuer.
“Hier gibt’s nichts mehr”, klärte sie mich auf. Ich lächelte knapp und wandte mich der Dicken zu, die unverwüstlich ihre Stellung hielt.
“Na komm schon, Doris. Einen Absacker für uns beide”, sagte ich und korrigierte schnell: “Für uns drei, du bist eingeladen. Außerdem hast du mein halbes Bier abgeräumt.”
“Kannst Du vergessen. Bist mir eh schon viel zu lange auf die Nerven gegangen. Und übrigens heiße ich nicht Doris. Raus jetzt! Verschwindet!”
Wir gingen. Und zwar paar Straßen weiter, in den Trinkteufel. Wenn nichts mehr geht, dann ist der Trinkteufel die richtige Adresse. Da gibt es tätowierte Lesben mit silbernen Ringen in so ziemlich allen verfügbaren Weichteilen, Punks mit Akne, Punks ohne Akne, die ganze Galerie von Notbremsern und Hyänen. Die Musik ist zwar unerträglich laut und man kann kaum atmen, aber immerhin ist man in diesem Etablissement so entgegenkommend, mit fortschreitendem Sonnenlicht die Jalousien weiter runterzulassen. Unterwegs hatten wir kein Wort gesprochen.
Die Kahlgeschorene hinter dem Tresen war freundlicher als sie aussah und mit unseren Bieren in der Hand sah ich Licht am Ende des Tunnels. Vielleicht würde es doch noch ein guter Abend werden. Ich musste mich noch nicht einmal besonders anstrengen, den Touristen wegzuboxen. Er hielt sich mit beiden Händen am Oberarm meiner Begleitung fest und lallte irgendwas von einem Boot in Frankreich. Das Mädel sah ihn ruhig an, nicht angeekelt, eher verwundert und ein bisschen mitleidig. Ich notierte mir das, stellte die Flaschen auf den Tisch und machte die Hände da los. Der Typ kippte aus dem Gleichgewicht. Er machte kein Geräusch während er fiel, schlug unsanft auf und blieb zwischen den Barhockern liegen, mit offenen Augen und blöde grinsend. Charlottenburger Importware.
“He ihr Penner! Kann den da mal jemand aufheben?”, schrie die Wirtin.
Ein Zimmermann auf Durchreise, voll wie ein russisches Containerschiff, half dem Typ auf die Beine und installierte ihn an der Theke zwischen zwei dösenden Walz-Brüdern. Der Tourist rieb sich nochmal den Schädel und war innerhalb Sekunden in einen gesunden Tiefschlaf gefallen.
“Ich bin die Roxanne. Und du?”
Ich verschluckte mich an meinem Bier, hustete ausgiebig.
“Steinbart.”
Wir ließen das mit dem Händeschütteln sein, der falsche Ort für solche Dinge, und grinsten ein bisschen unbeholfen stattdessen.
“Und was machst du so?”, wollte sie wissen.
“Nichts.”
“Biste arbeitslos?”
“Nein.”
“Von was lebst du dann?”
“Leben würde ich das nicht nennen.”
“Puuh”, machte sie, “Mit dir kann man ja noch nichtmal reden.”
“Wenn es das ist was du willst, muss ich dich enttäuschen.”
“Was soll’n das heißen?”
“Hm?”
“Du bist lange nicht so cool wie du tust.”
“Vergiss es”, sagte ich und machte die entsprechende Handbewegung. Im Verlauf unseres kurzen Gesprächs hatte ich bereits den Großteil meines Interesses eingebußt. Nichts neues. Ich war schon lange nicht mehr bereit durch eine Jauchegrube vom Ausmaß eines Fußballfeldes zu waten, nur um nicht allein ins Bett zu gehen. Ich nahm einen Schluck aus der Flasche.
“Also was machste denn nun?”, frage sie. “Versuch doch einfach mal, nett zu sein.”
Sie war jung und schön und irgendwas stimmte nicht mit ihr. Das war wohl die Gründe dafür, dass ich nicht einfach aufstand und ging.
“Schreiben.”
“Ooh”, machte sie diesmal. “Und was schreibst du?”
“Wörter. Eines nach dem anderen. Die Buchstaben von links nach rechts. Zeilen von oben nach unten.”
Der war nicht von mir. Sie lächelte trotzdem. Ein gesundes und durchaus glaubhaftes Lächeln. Was sie von den unzähligen anderen Weibern unterschied, die ich im Laufe meiner Laufbahn als semiprofessioneller Alkoholiker schon erlebt hatte war die Tatsache, dass sie nicht diese grauen Augen hatte. Die bekommt man, wenn man sich zu lange am unteren Ende des absteigenden Astes aufhält. Das Weiß verschwindet, und der Augapfel sieht irgendwann so aus, als wäre er im falschen Waschgang gelandet.
“Du schreibst Bücher?”, fragte sie.
“Nein.”
“Bist du berühmt?”
“Nein.”
“Trotzdem. Gar nicht langweilig”, sagte sie und bot mir eine Zigarette an. Ich steckte unsere Kippen in Brand, wartete, bis sich der erste Nebel verzogen hatte. Dabei dachte ich an all die großen Aufreißer: Miller, Bukowski, Jerofejew. Ja, der gehörte auch dazu.
An der Theke entwickelte sich eine Schlägerei. Wir konnten nicht mitbekommen, um was es dabei ging, aber mittendrin stand unser Tourist. Er war scheinbar wieder zu Kräften gekommen. Oder es war das letzte, hysterische Aufbäumen vor dem endgültigen Abgang. Roxanne betrachtete die ganze Szene mit Gleichgültigkeit. Und ich nahm die Gelegenheit wahr, sie zu betrachten. Mit etwas mehr Interesse. Ihre hübschen Augen waren, wie schon erwähnt, sehr weiß. Und die Mitte, die Brustwarze des Auges sozusagen, die war braun. Symmetrische Lippen, hohe Wangenknochen, gepflegte Fingernägel. Was hatte die hier bloß verloren? Ich erschrak, als sie mich plötzlich ansah. Aus der Schlägerei war nun doch nichts geworden.
“Wie alt bist du?”, fragte sie.
“Vierunddreißig.”
“Und Steinbart ist dein richtiger Name?”
“Ja.”
“Würdest du mich anlügen?”
“Nicht in diesem Fall.”
Wir tranken einen Schluck wobei wir uns in die Augen sahen. Eine Weile lang fragte ich mich, ob ich sie zu einem schnellen Fick auf dem Klo überreden sollte. Aber dieser Gedanke war absurd. Ich kannte die Zustände hier. Immerhin brachte er mich auf die Frage, ob ich schon zu viel getrunken hatte um überhaupt noch einen hochzukriegen.
Die Jungs an der Theke klopften sich mittlerweile anerkennend auf die Schulter, lobten einander und überhaupt sei das Leben ja eigentlich ganz geil, ne? Roxanne und ich standen da, guckten da rüber obwohl es nichts zu gucken gab. Ich musste jetzt aufpassen. Es passierte mir in solchen Situationen immer wieder dass ich mich verpisste, die Frau dem Teufel überließ und mich selbst dem heillosen Durcheinander überwiegend unsinniger Gedanken. Erstmal aus der Tür raus und dann nach rechts oder nach links, die Straße hinunter. Irgendwann ziehe ich dann die Schuhe aus und laufe solange ziel- und planlos weiter, bis ich vor Schmerz nicht mehr gehen kann oder von einer Streife aufgelesen werde die gerne mal meine Personalien gesehen hätten. Jetzt ging es also los. Beinahe jedenfalls.
“Lass uns gehen.”, sagte sie. “Ich will hier weg.”
“Wo willst du hin?”
“Wir können zu mir gehen, wenn du willst. Aber mach dir keine falschen Hoffnungen, du bist eh zu besoffen zum Vögeln.”
Wir gingen, stießen gelegentlich aneinander, machten darüber keine weiteren Bemerkungen und versuchten ansonsten nicht aufzufallen zwischen dem artigen Volk, das sich da zu seiner täglichen Portion Stumpfsinn schleppte. Die Sonne ging über dem Kanal auf, Ratten huschten über den Weg, wir bogen ab in ihre Straße und blieben stehen, weil vor uns eine Oma auf dem Boden lag. Sie lag auf dem Rücken, den Rock zu weit nach oben geschoben und zeterte etwas in einer slawischen Sprache. Neben ihr lagen Krücken und neben den Krücken stand ein Typ und neben dem Typen ein flacher Sportwagen. Die Oma krächzte wütend ihre Flüche aber der Typ putzte weiter mit einem Lederlappen das Armaturenbrett und den Ledersitz des Wagens obwohl es da nichts zu putzen gab. Als er uns bemerkte, stellte er die Oma auf die Beine und gab ihr die Krücken, mit denen sie gleich versuchte, ihn zu schlagen.
“Sie hat mir das Auto eingesaut!”, rief er. “Guckt euch das mal an hier den Dreck!”. Wir verschwanden in den Hauseingang. Die keifende Alte war bis in den zweiten Hinterhof zu hören.
Und dann ging ihre Wohnungstür nicht auf. Irgendwas dahinter blockierte. Als sei eine versperrte Wohnungstür die normalste Sache der Welt zwängte sich Roxanne durch den schmalen Spalt und war im dunklen Innern verschwunden. In der Rolle des nächsten Häppchens fühlte ich mich äußerst unwohl. Auf halben Wege blieb ich deshalb gleich erstmal stecken, konnte nur noch flach atmen und weder vor noch zurück. Roxanne zog ein bisschen zu energisch an meinem Arm und zwei Knöpfe verabschiedeten sich von meinem Hemd. Einen hörte ich übers Linoleum im Hausflur rollen. Es war, als käme ich ein zweites Mal zur Welt.
In der Höhle bemerkte ich dann, dass sich hinter der Tür ein Kleiderschrank befand. Das Ding hätte sonstwo stehen können, Platz jedenfalls gab es genug. Ich bekam sogar eine Gänsehaut, so merkwürdig kam mir das vor. Zur Beruhigung meiner Nerven wollte ich mich gerade in der Wohnung umsehen, als Roxanne mir einen Finger auf die Lippen legte und signalisierte, ich solle hier warten. Der Flur war ziemlich lang und zirka fünfzehn Watt matter Glühbirne dunkel. Abgesehen von der Wohnungstür hinter dem Schrank gab es noch drei weitere Türen. Das Bad gleich rechts von mir, daneben vermutlich die Küche und durch die dritte Tür war dieses Mädel verschwunden. Ich steckte mir eine Zigarette an und ging ins Bad. Vermutlich, weil die Tür offenstand und der Weg zum Ausgang kürzer war. Der Lichtschalter tats nicht und das einzige Fenster war klein und führte in einen Lichthof. Platzangst. Auf dem Rand der Badewanne lag ein Einwegrasierer. Naja, besser als völlig unbewaffnet dachte ich und steckte mir das Ding in die Hemdtasche. Dann setzte ich mich auf den Klodeckel und wartete.
Nach der vierten Zigarette lagen meine Nerven blank und ich beschloss nachzusehen, ob alles in Ordnung war. Wir trafen uns im Flur unter der lauen Glühbirne und nachdem ich mich von dem ersten Schreck erholt hatte, wusste ich, dass sie eine Transe war. Ach du Scheiße. Ihr Mund war von zittriger Hand rot geschminkt, die Lippen doppelt so groß gemalt, das schwarze Kleid aus Zeiten, in denen ABBA noch für Stimmung sorgte, an beiden Seiten bis zur Hüfte geschlitzt. Plateauschuhe, so hoch wie der vollständige Brockhaus und auf dem Kopf eine billige, wasserstoffblonde Perücke.
Sei ein anständiger Kerl, sagte ich mir, reiß dich zusammen, trink ein Bier und verabschiede dich freundlich. Also folgte ich Roxanne ins Dunkel ihrer Wohnung. Die vereinzelten Kerzen sorgten für gerade genug Licht, dass man sich bei diesem Marsch ins Ungewisse nicht die Knochen brach. Plötzlich blieb sie stehen. Ich lief auf und schubste sie mit meinem Schwung aufs Bett. Ein Himmelbett wie aus einem Märchenbuch. Sie zog mich runter und ich setzte mich in einigem Abstand neben sie, entspannt wie ein Zebra am letzen Wasserloch der Saison. Nach einer Weile nahm sie meine Hand und streichelte sie. So, wie man die Hand eines Sterbenden streichelt. Vom Handgelenk zu den Fingerspitzen und wieder von vorn. Nachdem sich meine Augen an die Finsternis gewöhnt hatten, suchte ich die Zimmerecken nach bewaffneten Schwarzen ab. Ich war auf alles vorbereitet.
“Entspann dich…”, hauchte es von rechts in mein Ohr.
“Okay.”
Ich wollte schreien, aufspringen und alle Lichter dieser Welt anknipsen, wahre Freudenfeuer des Lichts veranstalten. Doch diese Hand hielt mich fest und streichelte den letzten Rest Leben aus mir raus. Ich sah mich außerstande, irgendwas zu unternehmen, wie paralysiert. Also blieb ich sitzen und wartete ab.
Roxanne brachte Wein. Schweren, roten Wein in langstieligen Gläsern. Das erste Glas hatte ich bereits ausgetrunken, als sie mit der Schwenkerei fertig war und gerade ansetzte. Wortlos verlangte ich Nachschub. Sie hielt mir die Flasche hin. Ich nahm mir das Ding vor und setzte erst ab, als ich zu ersticken drohte. Danach goss ich mein Glas nochmal voll und wir schwenkten eine Weile gemeinsam.
“Es freut mich, dass du hier bei mir bist. Wirst sehen, das wird noch ein schöner Abend.”
Wahrscheinlich gingen wir gerade auf zwölf am Tage zu. Vielleicht war es sogar noch später. Ich suchte fieberhaft nach einem plausiblen Grund mich zu verabschieden.
“Was ist den los mit dir?”, fragte sie. “Bist du müde?”
“Ja. Ich bin völlig im Arsch. Ich glaub ich muss langsam los.”
Sie stellte ihr Glas auf den Boden und gab mir einen zarten Kuss auf die Wange. Dann fing sie an, mich abzulecken. Was mache ich hier? Auf diesem Bett mit einem Wesen ungewissen Geschlechts, das mir die Hand streichelte als läge ich im Sterben und nebenbei das Gesicht ableckt. Und ich meine ablecken. Nicht zärtlich, mit der Zungenspitze witzelnd. Sie leckte mich ab wie ein Schaf den Salzstein. Zunge raus und von unten nach oben einmal drübergeschlabbert. Offensichtlich hatte sie eine Neigung zu Einbahnzärtlichkeiten. Zum Glück hatte ich einen Ständer. Einen WAS??? Ohgottogott. Ich dachte an die Großmutter auf der Straße, meinen Kontostand, versuchte mich an Leichen zu erinnern, die ich in meinem Leben gesehen hatte. Mittlerweile guckte mein Schwanz aus der Hose und wurde von ihrer Hand aufs böseste malträtiert. Man hätte meinen können, diese Hand habe es darauf abgesehen, meinem Geschlechtsteil eine neue Form zu verpassen. Doch trotz der unglaublichen Schmerzen stand das Ding wie eine eins.
Willkommen an Bord. Mit gerade genug Sprit um es auf eine ansehnliche Flughöhe zu bringen. Die Motoren gingen an, sämtlicher Lichter blinkten und mittendrin mein purpurner Schwanz. Ich griff nach der Flasche, nahm einen tiefen Schluck und warf mich auf das Wesen. Zähne krachten aufeinander. Ich schmeckte fremden Speichel und unser Kuss glich einer Massenpanik. Es hatte mittlerweile von meinem Schwanz abgelassen und fummelte jetzt an meinem Hemd. Ich hatte nur ein Ziel: Ich wollte Gewissheit. Den Lippenstift bis an die Augenränder verschmiert sah es mich an. Ein Blick voll unkontrollierter Gewalt, voll Hass und Begierde. Die übrigen Knöpfe flogen durch die Gegend als dem Wesen der Kragen platzte und es mein Hemd aufriss. Das hier war der Ernstfall, vor dem wir uns alle fürchten und den wir täglich herbeisehnen. Es biss mir fast das Ohr ab bevor ich die Haare zu packen kriegte und den Kopf nach hinten riss. Mit einer Platzwunde in den Augen und gebleckten Zähnen sah es mich an. Ich suchte nach den Titten. Da waren sie, klein, warm und weich. Halbe Wahrheiten. Es schob das Kleid etwas runter, zog den BH hoch und quetschte die Dinger zusammen bis die Speere ihrer Brustwarzen auf mich zeigten. Ich biss hinein. Es schrie und zerrte an meinen Haaren. Mit geschlossenen Augen rannte ich in die tosende See, ließ meine Seele überfluten, Dämme brechen und Wälder verbrennen. Heiße Lava rollte sich den Hügel runter. Das Wesen zog an irgendwelchen Strippen. Das Kleid. Die Schnürsenkel. Plötzlich erfroren die Katastrophen und kühle Stille legte sich auf das Bett wie eine Wüstennacht. Ich sah den Stoff verschwinden, ein Knie, ein Schenkel, weiter, weiter, Pause. Es sah mich an, registrierte jede winzige Bewegung meiner Pupillen, mit Augen die mir die Luft abschnürten und die Haut verbrannten. 10000 Meter über dem Meer und der Motor geht aus. Kein geplanter Zwischenhalt, kein Fallschirm, kein Aufwachen.
Ihre Möse war schlank und nass und ich holte tief Atem. Meine Knie zitterten und ich setzte mich auf die Kante des Bettes um sie zu betrachten. Die Propheten hatten ihre Hausaufgaben gemacht. Auf einmal empfand ich so etwas wie aufrichtige Reue. Als Roxanne mich mit ihrer windschiefen Perücke und dem verschmierten Mund ansah explodierte mein Herz. Ich wollte sie in den Arm nehmen und mit meiner Hand in ihrem falschen Haar erfrieren.
“Was ist los mit dir? Alles in Ordnung? Siehst aus als wäre dir schlecht”, sagte sie.
“Nein. Alles in Ordnung. Du bist schön.”
Ich steckte mir zwei Zigaretten in den Mund und machte sie an. Eine reichte ich ihr rüber. Draußen fuhr ein Krankenwagen mit Martinshorn vorbei. Ein Überlebender. Wir hielten still.
“Lass uns jetzt ficken”, sagte sie, erwürgte die halbe Kippe im Ascher und griff lächelnd nach meinem Schwanz.
“Ok”, sagte ich. “Irgendwelche Tabus?”
“Hey ich bin neunzehn!”, rief sie lachend.
Die ungekürzte Ausgabe dieser Geschichte ist beim Verlag Rotze, Arschficken & Schlucken GmbH in Hamburg erschienen und kann unter folgender Adresse schriftlich und gegen Vorkasse bestellt werden.
(2004)
Steinbart, Mai 2010.




