Du hast die Tür ganz leise geschlossen – als wolltest du mich nicht beim Schlafen stören. Dabei habe ich nie geschlafen. Jetzt allein in meinem zeitlosen Mikrokosmos aus Flüssigkeiten und schnellem Atem liege ich ausgestreckt auf dem Bett, die Hände hinter dem Kopf verschränkt und eine Zigarette zwischen den Lippen.
Hier ein Abriss schwarz-weißer Eindrücke, die geblieben sind.
In diesem Sekundenbruchteil, als der Blitz durch den Himmel schießt, sieht deine Haut weiß aus. Weiß und glänzend nass (vom Regen). Dein Haar hingegen ist schwärzer als üblich.
Im langsamen Licht der Kerze und sehr aufrecht im Sessel sitzend. Deine Haut scheint jetzt weicher und eine verirrte Strähne spaltet die tiefen Seen deiner im Schatten liegenden Augen. Ich denke an eine Gletscherspalte.
Auf der Straße vor meinem Haus, in der windigen Herbstnacht. Dein Gesicht ist nicht zu sehen. Dafür dein Arsch, der sich graziös durch das Licht vereinzelter Straßenlaternen wiegt.
Asche fällt mir auf die Lippen und zerbröselt zwischen den Bartstoppeln als ich mich bewege, um meine eingeschlafene Hand zu befreien. Der Wind. Der ist da draußen mit dir. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich deine Brustwarzen, die strammstehen wie vergessene Soldaten. Also schließe ich die Augen. Die Soldaten brechen zusammen wie erschöpfte Schneemänner, je länger ich sie beobachte. Und als ich die Augen wieder öffne ist das Zimmer immernoch da und ich liege auf dem Rücken mittendrin. Überhaupt, nichts hat sich geändert. Die weißen Wände sind verziert mit den schwarzen Abriebspuren deiner Stiefel.
Die Kippe verbrennt mir die Lippen. Ich fluche, spucke aus, lache.
Schön, dass du da warst.
(2002)
Steinbart, Februar 2010.




