Erfreuliches in diesen harten Zeiten: Ich befinde mich in einer fremden Wohnung, unter wilden Menschen, mitten in einer elektrischen Musik und gerade in diesem Augenblick läuft mir weiße Salatsauce am Kinn runter, jemand langt in die Bierkieste neben mir, Gedrängel von achtern, ein Mädel guckt rüber, erst auf mein Kinn dann auf die Knopfleiste meines Hemdes und zeigt mir dann den Daumen-auf-der-Faust, ich mache alles richtig, ja, weiß ich doch, aber die Taschen sind leer, das Klo ist hinter den Bergen und nirgends im Radius meiner Möglichkeiten ein beschissenes Taschentuch.
Astra und tausend Gesichter, tausend Höllenkreise, plopp, plopp, Kreise ziehen, schmalsprech. schmaldenk, jaja, verstehe ich ja, aber ich habe hier gerade echte Probleme am Start! Ich löse das Salat-Saucen-Issue, in dem ich mein ohnehin schweißgetränktes Hemd ausziehe und lasziv einer brilligen Blondine um den Hals schlinge, bis hinter ihr ein starkbärtiger Typ mit Kastenkinn auftaucht und für mich Zeit gekommen ist, auf die Tanzfläche zu gleiten, oben ohne, authentisch drauf geschissen. Ich schüttel alles und habe mir ganz flott eine Lichtung freigeschüttelt, in der ich ganz alleine zucken darf, voller Leidenschaft und ungestört, Runde um Stunde, bis ich scharfstelle, Mutter Berlin vor mir steht und ich mich plötzlich ganz dreizehn, nackt und erwischt fühle und ich bedecke meinen Körper mit den Händen, gucke auf den Boden, eine klebrige Mischung aus zertretenen Bechern, Kippenstummeln und Konfetti und trabe langsam hinter ihr her. Ihr fülliger Körper wühlt sich durch die Leiber, ein ey! hier und ein passma auf! da, Mutter Berlin entschuldigt sich nicht, Mutter Berlin sagt überhaupt gar nichts, und ich hinterher als hätte ich gerade ein Pornoheft geklaut, das Kinn in der Lunge, die letzten Beats vor dem Ticket, das Licht geht an, sie meint es gut mit mir.
Steinbart, Juli 2011.




