Lieber Leser. Es wäre wohl Zeit für ein Statement aber ich bekomme den Arsch nicht hoch. Es ist noch dunkel draußen und ich liege quer auf den durchgeschwitzten Laken, Kopf und Arm hängen über der Bettkante. Die Lampe liegt umgekippt auf dem Boden, mit einem T-Shirt verhangen um das Geleucht auf gerade ausreichend zu dämmen. Ruhige Atemzüge hinter mir. Schenkelkontakt mit warmer, straffer Haut. Das ist alles, was mich interessiert. Dieser Raum, dieses Bett, diese Kladde und das Mädchen. Kein Platz für Unterhaltung. Kein Platz für Statements.
Wir bemühen uns, ihnen den Morgen so angenehm wie möglich zu gestalten, sie nicht daran zu erinnern, worauf sie sich da eingelassen haben. Wir spielen ihnen schlechte Nachrichten aus Nicaragua und Kirgisistan vor, gute Nachrichten von Möbel Krieger und dem größten Autohaus Berlins, einem traditionellen Familienunternehmen, das an diesem Wochenende seinen xten Geburtstag feiert. Sie sind eingeladen!
Mein Arm schläft ein, mehr schaffe ich nicht. Eh sinnlos, ich bin ein Knipser und nicht der Mann für’s Statement. Aber schauen sie sich doch mal in die Augen heute. Zum Beispiel, wenn sie nachher ihre Zähne putzen. Schauen sie da mal richtig tief rein. Von ihrem A bis zu ihrem Z.
Steinbart, Oktober 2010.




