Airen’s Vorwort

Das Vorwort zu Ramona’s Sensation zu verlinken ist schon ziemlich bis sehr egoladen (Bumerang aus Weihrauch), aber Airen’s Text ist wirklich gelungen und hey, scheiß auf bescheiden: Hier. Bitteschön.

Und um das nochmal klarzustellen: Das Buch ist noch nicht produziert und man kann es deshalb nicht kaufen. Es gibt nur sehr wenige (handgeschnitzte) Exemplare, die in der Familie bleiben. Aber je mehr von euch die gute Kunde weitertragen, desto wahrscheinlicher, dass sich das mal ändert.

So. Und jetzt macht mal Wind bitte.


Ego Plus

Eine Stunde noch bis ich aus meinem feuchten Traum gefegt werde und diese Stadt eine Krähe mehr hat.


Rekrut

Ich tippe das hier nicht.

Wirklich.

Der Raum in dem ich mich befinde ist etwa vier mal vier Meter groß und

Ich sollte vorne anfangen. Ich tippe das hier nicht. Anfangen zu denken. Lotrecht. Hatte mich ins Bett gelegt, ziemlich hinüber. Etwa Mittwoch. Zuviel von diesem und – ich glaube es kommt jemand… nein, nichts. Jedenfalls hatte mich ins Bett gelegt. Alles wie immer. Kann sein, dass ich besoffen war… möglich… Scheiße, alles ist gerade möglich… Wenn ich mich nur an die Fakten halte kriege ich das transportiert, die Gedanken im Reißverschlußverfahren auf die Strecke bringen… ich tippe das hier nicht… dachte ich bereits, oder? Nalepastraße. Keine Ahnung, war wohl das letzte Schild, das ich mitbekommen habe… ich. Einatmen. Ich bin in einem Raum und scheinbar wird jeder meiner Gedanken in die Queue geschoben. Der Raum in dem ich mich befinde ist etwa vier mal ein Turm, wir waren eine Weile mit dem Fahrstuhl unterwegs nach oben, ja, wahrscheinlich also ein Turm.

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Ramonas Sensation

Die Grafikerin und Buchgestalterin Ramona Heiligensetzer hat eine zweihundertachtseitige Sensation gebaut, die äußerst schick aussieht, sich genauso gut anfaßt und selbstverständlich lesenswert ist. Ich weiß das alles, denn neben mir steht eines der wenigen Exemplare. Ob es davon mal mehr geben wird hängt unter anderem davon ab wie sehr ihr jetzt zu kreischen anfangt – wir reden digitales Kreischen, auf allen Kanälen. Interessierte Entscheidungsträger aus dem Verlagswesen dürfen sich auch gerne direkt bei Ramona melden.

Porno & Propaganda aus Berlin: Im Buch gibts die besten Texte von Januar 2010 bis Dezember 2011. Übrigens, die Sahnehaube von einem Vorwort entspringt der mezcalverklebten Tastatur Airens, der sich hier und da rumtreibt und dem man unbedingt auch einen Besuch abstatten sollte.

So, ich mache jetzt mal die Bühne frei für Buchgestalt vom Feinsten:

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Zitramon

Resteessen: Eine Auftragsarbeit von 2011 (Betextung einer deutsch-russischen Foto-Love-Story):

“Also das lief so gestern Nacht: ich voll im Club Herzblatt… ziemlich am tanzen und zack, diese beiden Vögelchen aufm Rücksitz meiner Goldkutsche, die hießen irgendwas mit Ma oder Da am Anfang oder so und Drüsen hatten die… wirklich überirdisch… stehen natürlich auf Ledersitze, eh klar, und ich uns so zum shoppen an die Tanke und dann raus aus der Stadt, mit Überschall so und, oh meine Brüder aus der kalten Platte, es wurde ein geiles Fest der Liebe… zu dritt auf der Datscha, laue Nacht… ich voll am Grill und die Weiber voll so am lachen und singen, Mensch diese Vögelchen… ernsthaft, die zwitscherten so Lieder aus deren Heimat… hab ja fast ‘nen Schlaffen gekriegt davon… und gesoffen haben die… als gäbs kein Morgen, und nach den Liedern haben wir die Mieder geniedert, haha, ich wieder, euer Marzahnsky Poet, die Lieder geniedert, haha, das ist gut… naja, ein bisschen getanzt, ein bisschen geschwitzt, was weiß ich… aber denen hab ich mal so richtig Feuer unterm Arsch gemacht, hehe, Masha, Magda, Dasha, was weiß ich Mensch, kann mich doch nicht mehr erinnern, Scheiße meine Brüder, lasst uns hier abhauen. In die Sauna.”


Dichter. Denker. Durchfall.

Ich drehe die halbe Nacht am Frequenzrad meines Weltempfängers und kann nichts finden außer denselben schlechten Nachrichten und verlogenen Mantras, denselben endlosen Loops falscher Glücksversprechen. Auf allen Kanälen: Das globale Rauschen wiederkäuender Hitjunkies, deren Texte wie McDonalds Hamburger funktionieren, die niemals schmecken und niemals sättigen. Wo sind sie hin, die anabolikagetränkten Extremsportler der Literatur? Wo sind die Starkwörterer dieser Tage, die man nach dem Aufwachen einpeilen kann? Wo ist das dünne Signal vom Arsch der Welt? Der leise knisternde Beweis dafür, dass doch noch nicht alles verloren ist? Ich bin müde genug für ein Reiseziel.

Hinweise per Email. Danke.


“Pappfotze”

Vor einigen Tagen habe ich Pappfotze in mein Notizbuch geschrieben. Ein brandneues (Google bringt 67 Ergebnisse, keines davon artverwandt) Produkt auf dem Wörtermarkt, entstanden in einem kreativen Tobsuchtsanfall am Spätnachmittag. Nur so, falls jemand Ideen braucht.


Harte Gezeiten

Bullet-time im Halbdunkel eines anbrechenden Tages. — Könntest du jetzt bitte abhauen? — Kannst du mir nicht wenigstens einmal was nettes sagen? Dass du mich magst oder sowas?

Feiner Staub im Gegenlicht, das durch ein neues Loch ins Zimmer fällt, Schweißgeruch und der Geruch von getrockneten Säften, mein Kopf ist unklar, du startest eine halbe Drehung, dein Blick gleitet in Zeitlupe über den Boden, tausende Bilder pro Sekunde, der Fokus verabschiedet sich von den Staubpartikeln in der Luft, mir bleibt genug Zeit, jedes einzelne zu betrachten, während du langsam in die Schärfe rückst und ein paar Quadratzentimeter deines Körpers unter einem aktuell angesagten Stück Baumwolle verschwinden läßt, fair hergestellt für diese unfaire Szene, Schild und Helm gegen die Flut meines Schweigens, aufgenähte Labels, die Leuchtfeuer deiner Existenz.

Der Weg ist sicher, eine Eskorte überflüssig. Und jetzt mach’s gut.


Der Hut geht rum

Nicht meine Finger. Nicht meine Augen.

Ich habe jetzt einen flattr Knopf auf dieser Seite. Das System flattr ist so schön einfach, dass es in hundertunddrei Sekunden erklärt werden kann (einfach auf den Fernseher klicken). Dieser flattr Knopf ist quasi mein Hut an eurem Gehweg, da dürft ihre gerne ab und zu mal was reinfallen lassen, das gibt Karmapunkte satt und schließlich kriegt ihr mein Solo ja auch für lau. Danke.


No-Glue No-Tools and a Handsfree Cumshot

Ein großer Haufen Scheiße statt mir einfach etwas Geld zu leihen. Fünfundvierzig Minuten lang höre ich mir seine realistischen Einschätzungen an, schiffbrechende Tilgungsraten, selbstbefeuchtende Zinsen, etc etc. Dann lege ich auf und im darauf folgenden Moment intesiver Stille springt der Kühlschrank an. Mein Einsatz war zu hoch. Meine Lüge zu kühn. Mönch wird später sicher noch Präsident werden. Ich bleibe für immer Maulheld.

Vorwärtssalto in den späten Nachmittag. Frühlingsduft wie aus der Dose (Sibirische Birke) vermischt sich mit dem Geruch von heißem, dampfendem Kaffee. Vögel zwitschern in den Bäumen und wohlkonfigurierte Kinder spielen unter der Aufsicht einer Handvoll Handykameras auf der kleinen, quadratischen Wiese in meinem Hinterhof. Das Geräusch eines Kaffeelöffel, der an der Tassenwand entlangklimpert – unbeholfen wie ein Besoffener auf dem Weg ins Bett. Volle Idylle.

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