Neunundvierzig Tage

Kein Vokabular für seelische Angelegenheiten heute. Dafür gibt es drei Fußnoten zu einem Text, der es nicht bis in die Endrunde geschafft hat.

[1] Nach neunundvierzig Tagen Freiflug dann die Landung in einem neuen Körper… nochmal ‘ne Runde Mensch sein, bis wir es endlich kapieren und mit dem Blödsinn aufhören können.

[2] Aufgrund dieser neuartigen Übungen verbringe ich immer mehr Zeit bei vollem Bewusstsein. Das fühlt sich gut an. Das kann ich vorbehaltlos weiterempfehlen.

[3] Terence McKenna sagte wörtlich: The Poets have failed us.

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Literatur ohne Zuhälter

Weil ich immer wieder darauf angesprochen werde, warum ich denn nicht bei einem Verlag und ob ich denn nicht doch zu einem Verlag und… NEIN.

Ich sags nochmal ganz langsam und leise: Nein. Und jetzt will ich kurz darlegen, warum meine Bücher im Selbstverlag erscheinen und warum sich das auch nicht ändern wird.

Ganz nüchtern betrachtet sind Verlage nichts mehr als ein Haufen fettleibiger Zuhälter, die sich im Hinterzimmer mit goldenen Blasröhrchen die Nase pudern, während wir Schreiber vorn im schimmeligen Schaufenster unseren Arsch hinhalten. Den Jungs da hinten am offenen Kamin ist es scheißegal ob du dich für den nächsten Ezra Pound hältst oder vor hast, mit deiner Schreibe die Welt zu retten. Hauptsache, du fährst Kohle ein.

Kein Vorwurf. Es liegt ja in der Natur des Zuhälters, wirtschaftliche Interessen zu vertreten. Und wenn ihre abgesandten Helfer (im Bereich der Literatur sind das die Lektoren) dein Werk inspizieren, dann geht es in erster Linie darum, besagtes Werk einem möglichst großen Publikum zugänglich zu machen. Unter dieser Flagge wird dann solange an deinem Text geschraubt, bis er auch den letzten Idioten unterhält.

Und warum ist das nicht scheißegal?

Die Erweiterung des Bewußtseins, also der Art und Weise wie wir die sogenannte Realität wahrnehmen, ist eine Grundvoraussetzung für den Schritt auf die nächste Stufe der Evolution. Mit unserem derzeitig installierten Glaubens- oder Realtitätssystem jedenfalls wird das nichts. Wir drehen uns fleißig im Kreis und das Zentrum des Universums sind immer wir, unser Ego. Solange wir den Kontakt zum Unbewußten, zum wahren Wesen unseres Selbst nicht wieder herstellen können, bleiben wir die selbstsüchtigen Halbaffen die wir heute sind. Traurige Gefangene einer traurigen Realität.

Und das wissen wir.

Es ist ein langer Weg nach Unbewußtsein, dem Großen Kosmos, besonders wenn man zu Fuß unterwegs ist. Doch die Schamanen haben wir bereits ausgerottet oder zu profitablen Touristenfallen umfunktioniert,  psychedelisch wirkende Substanzen wurden allesamt illegalisiert und abgesehen davon wird nichts unterlassen, um den spirituell Interessierten zu einem bedauernswerten Idioten zu machen, der den Anforderungen des Lebens nicht mehr gewachsen ist.

Unsere Sprache schafft unsere Realität und damit auch die Grenzen unserer Vorstellung. Sie ist der Schlüssel und das beste Werkzeug, um diese Grenzen wieder einzureißen. Und ich werde mir von niemandem erzählen lassen, wie ich meine Abrissbirne zu schwingen habe.

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Wunschliste

Aus aktuellem Anlass hier meine bescheidene Wunschliste zum diesjährigen Fest des Herrn:

  1. Eine faire Chance gegen die Shades of Axolotl.
  2. Knackig-nackte Haut zum knipsen (Interessentinnen bitte umgehend im Sekretariat melden).
  3. Das rote Buch.

Immer schön dran denken: Der Sinn des Lebens ist schenken und glücklich machen.

In diesem Sinne,
Steinbart

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Laberkopp

Geht schon knapp vor dem Aufwachen los, das Gelaber im Schädel. Zerhackte Wünsche und Ängste, die sich schwatzend durch den stockenden Kreisverkehr schieben und keine Ausfahrt nehmen, weil es für sie keinen Ort gibt, an den sie zurückkehren könnten. Von oben betrachtet: das endlose Rotieren einer hirnfüllenden Maschine, die mit ihren tausend Fingern und tausend Zähnen, Zungen, Fühlern, Krallen in alle Ecken reicht. Ein führerloses Perpetuum mobile, in dem jeder das letzte Wort haben will.

RUHE, bitte!!!
Hahahahahahahahahahaha…!

Ich habe Ritter in den Kampf gegen die Maschine geschickt, ein ganzes Bataillon beinharter Mutterficker, doch einer nach dem anderen wurden sie neutralisiert und was von ihnen übrig blieb, war eine Idee geschmolzenen Teers in einer rostigen Rüstung, die anschließend sprechen lernte und assimiliert wurde. Also habe ich die Artillerie rausgeholt.

Frage Zielkoordinaten?
Kein Plan…
Zielwas…?
Hihi…
Bin mal pissen…
Nabend Jungs, allet jeschmeidich?
Setz mal da drüben einen rein, auf halb Zwei…
Biste sicher…?
Koka-Boy! Wie geil ist das denn?
Wohin…?
Mensch da drüben, Alter! HALB ZWEI…
Guck dich doch mal an…!
Da ist doch gar nix…
Mensch Koka, du och hier… Ick werdja farrückt!!!
Boh wo habt’n ihr diese fetten Böller her…?
Netto Nukes.
Gutmensch.
Penner.
Hihi…
Halb was…?
ALTER!!!
Jemand was zum reintun dabei…?
Huuuu! Huuuu!

Operation Sinnlos. Jede Menge zerfetztes Metall, brandneue Ideensplitter, die sich artig in den ohnehin schon unmöglichen Verkehrsstrom einreihen. Die nächste Runde drehen und dann noch eine… Kein Pausenlicht in Sicht.

Ich habe verlernt, dass Meer zu betrachten oder das Feuer. Habe verlernt, die Augen zu schließen und zu atmen. Kenne den Himmel nicht mehr, keine Wolke und keinen Stern. Meine lärmende Maschine läuft im höchsten Drehzahlbereich. Ein verficktes strahlendes Kraftwerk, produktiver als ein ganzer Staat.

Dabei wünsche ich mir nichts mehr als einen Schädel voll Stille.

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Ausverkauf

Stapel unbezahlter Rechnungen hier vor mir auf dem Küchentisch. Drüben, auf einem anderen Tisch, das Manuskript für ███████, meinen zweiten Roman. Der dreiseitige Wisch hier ist gefüllt mit Androhungen möglicher Konsequenzen. Freundlich formulierte Garantien auf persönliche Plünderung, Brandschatzung, Hinrichtung falls erforderlich…

Und der Wisch dort?

Die Natur der Worte… Ich meine, wie kommen die daher? Propaganda, Lügen, Werbung, Drohungen, falsche Versprechen, Bildung und Information im Allgemeinen (könnte man allesamt auch durch ein = trennen). Positive Nutzung dieser netten kleinen Scheißerchen fast ausschließlich auf der längst verkohlten Wiese der Poesie. Die Poeten lügen mit Ansage und anständigen Intentionen (Augen zu öffnen). Die sind die Guten. Die nullkommaeins verschissenen Prozent. Und vom Aussterben bedroht.

Das alte Spiel. Kennen wir aus der Rauschmittelbranche: Legal ist, was blöd macht. Bewusstseinserweiterung ist illegal. Eine Gefahr für unsere Jugend.

Hören Sie, ich bin wirklich Pleite… Was soll ich machen?
Also wenn ich mir ihren Datensatz hier mal anschaue, Herr Steinbart… Sie sind doch ein ganz schlaues, körperlich unversehrtes und sexuell ausgeglichenes Kerlchen… Hier steht, Sie machen in Okkultismus, duschen regelmäßig, ernähren sich gesund… und Bücher schreiben Sie doch auch!? Also ein bisschen wirtschaftliche Raffinesse werden Sie doch bestimmt aufbringen können… Zeigen Sie uns, was in Ihnen steckt!
Kay ‘schloch. Wie wär’s mit People-Placement? Gleich hier und jetzt: Für 50 kriegste deinen Namen (einmalige Erwähnung, auf Wunsch mit Link). Für 250 bringe ich eine kleine Episode aus deinem lustigen Leben unter, für 1000 deinen ganzen jämmerlichen Charakter (über mindestens sechs Texte verteilt). Instant Beispiel: “Letzte Nacht vorm Rosis. Stehen zusammen mit Porno-Tony, dem Superjuden und Maria Schmidt-Heuchelsberger im nasskalten Morgengrau rum, alle so ganz knall und drall und so, als plötzlich ein blendend weißes Licht über Dildo-Wasserturm am Ostkreuz erscheint…” Die genannten Tarife gelten selbstverständlich ausschließlich für private, nicht-kommerzielle Nutzung des Angebotes. People-Placement. Gut für dein Ego. Gut für mein Konto.
…-
Hallo…!?
Also Herr Steinbart, ich kann wirklich nicht beurteilen, ob es sich bei diesem Geschäftsmodell um ein…
Ah… ficken-

Den Dichtern das Wort. Der Rest sollte die Schnauze halten. Für immer. Und ewig.

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Nikolaus-Wassermund-Literaturpreis

Für alle interessierten Kollegen:

Die Nikolaus-Wassermund-Stiftung sucht Deutschlands Nachwuchsliteraten!

Einsendungen müssen per Post erfolgen und zusätzlich zum eingesandten Manuskript auch drei aktuelle Lichtbilder, eine Kopie des Personalausweises sowie einen aktuellen Gehaltsnachweis enthalten (Empfänger von Sozialleistungen sind von der Teilnahme ausgeschlossen). Einsendeschluss ist der 9. November 2014. Es gilt der Poststempel. Über den Preis von insgesamt 1000 Euro entscheidet eine Jury aus sechs Literaturexperten nach einem öffentlichen Wettlesen der zehn Finalisten. Dem Gewinner winken, abgesehen vom Preisgeld, eine Veröffentlichung im Wassermund-Verlag und eine dreitägige Lesereise durch Nord-Brandenburg. Die Nikolaus-Wassermund-Stiftung behält sich vor, alle eingesandten Manuskripte in jeglicher Form (Druck, Film, TV oder Online-Medien) zu verwerten, auch wenn diese es nicht bis in die Finalrunde geschafft haben.

Hier die Eckdaten:

– Der Text muss einen Umfang von 11.000-12.000 Worten haben und darf bisher nicht veröffentlicht worden sein.
– Der Autor muss die alleinigen Rechte am Text besitzen.
– Der Autor muss gebürtig aus Deutschland, England, Israel oder Amerika stammen.
– Der Autor muss männlich oder weiblich, zwischen 25 und 35 Jahren alt und mit Hauptwohnsitz in Berlin gemeldet sein.

Einsendungen mit pornografischen, antisemitischen, amerikafeindlichen, schwulenfeindlichen, antidemokratischen, antikapitalistischen, terroristischen, spirituellen oder bewusstseinserweiternden Inhalten werden im Wettbewerb nicht berücksichtigt und ggf. zur Anzeige gebracht.

Dankt mir später.

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