Wunschliste

Aus aktuellem Anlass hier meine bescheidene Wunschliste zum diesjährigen Fest des Herrn:

  1. Eine faire Chance gegen die Shades of Axolotl.
  2. Knackig-nackte Haut zum knipsen (Interessentinnen bitte umgehend im Sekretariat melden).
  3. Das rote Buch.

Immer schön dran denken: Der Sinn des Lebens ist schenken und glücklich machen.

In diesem Sinne,
Steinbart

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Laberkopp

Geht schon knapp vor dem Aufwachen los, das Gelaber im Schädel. Zerhackte Wünsche und Ängste, die sich schwatzend durch den stockenden Kreisverkehr schieben und keine Ausfahrt nehmen, weil es für sie keinen Ort gibt, an den sie zurückkehren könnten. Von oben betrachtet: das endlose Rotieren einer hirnfüllenden Maschine, die mit ihren tausend Fingern und tausend Zähnen, Zungen, Fühlern, Krallen in alle Ecken reicht. Ein führerloses Perpetuum mobile, in dem jeder das letzte Wort haben will.

RUHE, bitte!!!
Hahahahahahahahahahaha…!

Ich habe Ritter in den Kampf gegen die Maschine geschickt, ein ganzes Bataillon beinharter Mutterficker, doch einer nach dem anderen wurden sie neutralisiert und was von ihnen übrig blieb, war eine Idee geschmolzenen Teers in einer rostigen Rüstung, die anschließend sprechen lernte und assimiliert wurde. Also habe ich die Artillerie rausgeholt.

Frage Zielkoordinaten?
Kein Plan…
Zielwas…?
Hihi…
Bin mal pissen…
Nabend Jungs, allet jeschmeidich?
Setz mal da drüben einen rein, auf halb Zwei…
Biste sicher…?
Koka-Boy! Wie geil ist das denn?
Wohin…?
Mensch da drüben, Alter! HALB ZWEI…
Guck dich doch mal an…!
Da ist doch gar nix…
Mensch Koka, du och hier… Ick werdja farrückt!!!
Boh wo habt’n ihr diese fetten Böller her…?
Netto Nukes.
Gutmensch.
Penner.
Hihi…
Halb was…?
ALTER!!!
Jemand was zum reintun dabei…?
Huuuu! Huuuu!

Operation Sinnlos. Jede Menge zerfetztes Metall, brandneue Ideensplitter, die sich artig in den ohnehin schon unmöglichen Verkehrsstrom einreihen. Die nächste Runde drehen und dann noch eine… Kein Pausenlicht in Sicht.

Ich habe verlernt, dass Meer zu betrachten oder das Feuer. Habe verlernt, die Augen zu schließen und zu atmen. Kenne den Himmel nicht mehr, keine Wolke und keinen Stern. Meine lärmende Maschine läuft im höchsten Drehzahlbereich. Ein verficktes strahlendes Kraftwerk, produktiver als ein ganzer Staat.

Dabei wünsche ich mir nichts mehr als einen Schädel voll Stille.

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Ausverkauf

Stapel unbezahlter Rechnungen hier vor mir auf dem Küchentisch. Drüben, auf einem anderen Tisch, das Manuskript für ███████, meinen zweiten Roman. Der dreiseitige Wisch hier ist gefüllt mit Androhungen möglicher Konsequenzen. Freundlich formulierte Garantien auf persönliche Plünderung, Brandschatzung, Hinrichtung falls erforderlich…

Und der Wisch dort?

Die Natur der Worte… Ich meine, wie kommen die daher? Propaganda, Lügen, Werbung, Drohungen, falsche Versprechen, Bildung und Information im Allgemeinen (könnte man allesamt auch durch ein = trennen). Positive Nutzung dieser netten kleinen Scheißerchen fast ausschließlich auf der längst verkohlten Wiese der Poesie. Die Poeten lügen mit Ansage und anständigen Intentionen (Augen zu öffnen). Die sind die Guten. Die nullkommaeins verschissenen Prozent. Und vom Aussterben bedroht.

Das alte Spiel. Kennen wir aus der Rauschmittelbranche: Legal ist, was blöd macht. Bewusstseinserweiterung ist illegal. Eine Gefahr für unsere Jugend.

Hören Sie, ich bin wirklich Pleite… Was soll ich machen?
Also wenn ich mir ihren Datensatz hier mal anschaue, Herr Steinbart… Sie sind doch ein ganz schlaues, körperlich unversehrtes und sexuell ausgeglichenes Kerlchen… Hier steht, Sie machen in Okkultismus, duschen regelmäßig, ernähren sich gesund… und Bücher schreiben Sie doch auch!? Also ein bisschen wirtschaftliche Raffinesse werden Sie doch bestimmt aufbringen können… Zeigen Sie uns, was in Ihnen steckt!
Kay ‘schloch. Wie wär’s mit People-Placement? Gleich hier und jetzt: Für 50 kriegste deinen Namen (einmalige Erwähnung, auf Wunsch mit Link). Für 250 bringe ich eine kleine Episode aus deinem lustigen Leben unter, für 1000 deinen ganzen jämmerlichen Charakter (über mindestens sechs Texte verteilt). Instant Beispiel: “Letzte Nacht vorm Rosis. Stehen zusammen mit Porno-Tony, dem Superjuden und Maria Schmidt-Heuchelsberger im nasskalten Morgengrau rum, alle so ganz knall und drall und so, als plötzlich ein blendend weißes Licht über Dildo-Wasserturm am Ostkreuz erscheint…” Die genannten Tarife gelten selbstverständlich ausschließlich für private, nicht-kommerzielle Nutzung des Angebotes. People-Placement. Gut für dein Ego. Gut für mein Konto.
…-
Hallo…!?
Also Herr Steinbart, ich kann wirklich nicht beurteilen, ob es sich bei diesem Geschäftsmodell um ein…
Ah… ficken-

Den Dichtern das Wort. Der Rest sollte die Schnauze halten. Für immer. Und ewig.

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Nikolaus-Wassermund-Literaturpreis

Für alle interessierten Kollegen:

Die Nikolaus-Wassermund-Stiftung sucht Deutschlands Nachwuchsliteraten!

Einsendungen müssen per Post erfolgen und zusätzlich zum eingesandten Manuskript auch drei aktuelle Lichtbilder, eine Kopie des Personalausweises sowie einen aktuellen Gehaltsnachweis enthalten (Empfänger von Sozialleistungen sind von der Teilnahme ausgeschlossen). Einsendeschluss ist der 9. November 2014. Es gilt der Poststempel. Über den Preis von insgesamt 1000 Euro entscheidet eine Jury aus sechs Literaturexperten nach einem öffentlichen Wettlesen der zehn Finalisten. Dem Gewinner winken, abgesehen vom Preisgeld, eine Veröffentlichung im Wassermund-Verlag und eine dreitägige Lesereise durch Nord-Brandenburg. Die Nikolaus-Wassermund-Stiftung behält sich vor, alle eingesandten Manuskripte in jeglicher Form (Druck, Film, TV oder Online-Medien) zu verwerten, auch wenn diese es nicht bis in die Finalrunde geschafft haben.

Hier die Eckdaten:

– Der Text muss einen Umfang von 11.000-12.000 Worten haben und darf bisher nicht veröffentlicht worden sein.
– Der Autor muss die alleinigen Rechte am Text besitzen.
– Der Autor muss gebürtig aus Deutschland, England, Israel oder Amerika stammen.
– Der Autor muss männlich oder weiblich, zwischen 25 und 35 Jahren alt und mit Hauptwohnsitz in Berlin gemeldet sein.

Einsendungen mit pornografischen, antisemitischen, amerikafeindlichen, schwulenfeindlichen, antidemokratischen, antikapitalistischen, terroristischen, spirituellen oder bewusstseinserweiternden Inhalten werden im Wettbewerb nicht berücksichtigt und ggf. zur Anzeige gebracht.

Dankt mir später.

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Eier aus Obsidian

Warte…! Mensch warte doch mal!
Aber ich will dich jetzt ficken… kommschon…
Warte…!

Ich stehe auf, zupfe mir die Hose zurecht und wiederhole im Tonfall eines zärtlichen Hausarztes: Warte. Dann drehe ich die Musik ab und leite die Straßenbahn um. Ich lege die komplette Nacht still und robbe anschließend zurück auf die Matratze, ganz dicht an ihr Ohr.
Worauf? flüstert sie.

Lass mich dir von meinem Finger erzählen, der sich auf deinen Mund legt, der über die fein geäderte Landschaft deiner weichen Lippen streicht und sich langsam dazwischen drängelt, in dein warmes Inneres hinein, wo er sich sanft auf die Zunge legt und kleine rosa Lichter versendet. Lass mich dir von meinen Händen erzählen, die sich an Knöpfen und Haken und anderen Verschlüssen zu schaffen machen. Die dich ohne jede Hast Zentimeter um Zentimeter aus deiner Verkleidung schälen und das zum Vorschein bringen, was ich haben will. Was ich heute begehre. Ich werde dich in meine Einsamkeit stellen, mitten hinein in mein tontotes Dunkel. Wo sämtliche Sensoren sinnlos sind und nur noch die Haut empfindet. Lass mich dir von meiner Zunge erzählen, die hier und da auftaucht wie ein zufälliger Wind. Noch zurückhaltend, malerisch und hauchdünn. Hörst du ihr zu, wie sie diese kleine Stelle erfährt, unter dem Ohrläppchen, wo Hals und Wange sich berühren? Hörst du ihr zu, wie sie deine Nippel umkreist, anstupst und genau da wieder aufhört? Wie sie das Tal entlangfährt, dass deine Schenkel mit dem Torso verbindet und verschwindet, bevor sie deine kleine Pussy erreicht? Lass mich dir von meinen Lippen erzählen, die deinen Nacken erkunden bis runter zu den Schultern und die keinen Quadratzentimeter auslassen. Durstige Lippen, die deine Fingerspitzen schmecken, die deinen Mund vorsichtig ertasten. Zwei zarte Falter, die über deine Haut gleiten und eine dünne Schicht kühlen Glitzers zurücklassen. Lass mich dir von meinem Haken erzählen…
Hm…?
Mein Haken. Da oben! sage ich und zeige mit dem Finger an die Decke.
Was…?
Da werde ich dich jetzt aufhängen…
WAS?!

(mehr …)

Die Kinder von Bullerbeat

WARTE AUF ALLE SIGNALE. Kombiniere Silben mit Geschlechtern während auf Hochglanz polierte Ärsche durch die Katakomben tanzen. Zu ramschpreisigen Bullerbeats. Blutjunge Ärsche, die noch viele Blicke vor sich haben, und Hände, Schwänze. Jo ma ju…! Ich geh mich erstmal frisch machen und finde einen Blumenstrauß in der Kloschüssel. Gelbe und rote Tulpen. Hängen da drin mit ihren Köpfen im Wasser.

Da weiß ich, dass der Abend gelaufen ist.

Es fällt mir immer schwerer zu labern. Entwickle mich langsam zum Kantenkind. Wie ein Chamäleon mache ich auf Beton, verschmelze mit der Wand hinter mir. Und dann löst sich doch wieder ein irgendwoher bekanntes, knappsitzendes Kleidchen aus der zuckenden Masse und es geht von vorne los: Was ich so gerade und du so? Mmmh… cool… echtjetze? Hammer! Kipperollen, Klick und Prost. Was ich eigentlich sagen will ist: Du bist heiß. Lass mich dir einfach weiter zugucken und dabei Fantasien erarbeiten, die so dreckig sind wie schallende Ohrfeigen.

Bitte!?

Die letzte Einstellung wurde übrigens vom Rumgefuhrwerke eines vollständig eierlosen DJ untermalt. Überhaupt. Es fehlt an Mut. Stattdessen im Programm: Allgemeines Abwarten und Stillhalten und dabei möglichst schick aussehen. Bloß nichts riskieren. Bloß keine Abfuhr kassieren. Mittlerweile auch wissenschaftlich belegt: Ein Prozent macht, der Rest guckt zu und lacht wenn’s schief geht. Lachen ist gut fürs Ego.

Fazit: Geschlossene Türen, soweit die Seele reicht. Bald muss ich mich nicht mal mehr anstrengen, um Beton zu sein.

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