Psychopharmakon

Vier Tage über der Kloschüssel, ich scheiße dünn, dazwischen Schüttelfrost. Am vierten Tag jedenfalls hacke ich im halbnackten Zustand ein paar Notizen in die Maschine (Sprache als magischer Klebstoff, to cast a spell is to spell etc. und auch ein bisschen darüber, dass die ständige Spalterei in immer künstlichere Kategorien zwangsweise schiefgehen muss. Spalten halbiert, verkleinert. Wer lange genug damit weiter macht, findet irgendwann den Atompilz). Naja, jedenfalls sitze ich da an meinem Tisch, in Morgenmantel und Fieber gewickelt und während ich so tippe bemerke ich plötzlich, wie es mir mit jeder Zeile besser geht.

Wahrlich, ich habe mich gesund geschrieben.

linkesaugehinkt_de_20150323_dual

(Most likely not) Off to New Media

After a nightful of experiments going all sorts of wrong I have learned that I know nothing about sound and video. Don’t know if I’ll have enough time and patience to climb that hill. Still fun fucking around though.

Screencap.

linkesaugehinkt_de_20150317_nm

1000x

Dear people of Berlin, nail them to your fridges.

kartept

Unser täglich Brot

Senkrecht schwebend als Kruzifix, in etwa zwei- bis dreitausend Meter Flughöhe über einer verwüsteten Landschaft, die im lautlosen Mondlicht liegt. Schnitt in einen Hinterhof, wo nervöse Bürger eine unruhige Schlange bilden. Die entzündeten Unterarme bereits freigelegt warten Sie auf die Gabe, auf die sie ein Recht haben… die ihnen verdammt nochmal zusteht. Es wird getuschelt und konstruiert.

Nichts geht uns am Arsch vorbei!
Nein, ALLES geht uns an!

Doch das Traumbild täuscht: Die Sucht ist viel flächendeckender. Absolut flächendeckend. Sämtliche Festangestellten und auch die freiwilligen Kräfte aller Agenturen laufen am Anschlag, produzieren frische Information im Millisekundentakt. Um das zittrige Gleichgewicht zu halten, für die Ruhe und für die Ordnung.

Stell dir doch mal vor: Sieben Milliarden Menschen wachen morgen auf und es gibt nichts Neues.

linkesaugehinkt_de_20150312_unserbrot

Augenzeuge

Kaum bin ich selbstständig, verdiene ich auch schon ausgezeichnet. Es ist zum Abfeiern. Hab mir gleich mal ‘ne Einkaufstüte Kokainum bestellt, die Miete von letztem Jahr Dezember beglichen und eine Antwort auf die Frage, was ich denn so mache (-also beruflich), habe ich jetzt auch. Kein Rumgestotter mehr und keine akrobatischen Ausflüchte.

Ich bin jetzt Augenzeuge.

Es gibt da diese nagelneue Agentur, die die großen Magazine und Tageszeitungen mit Bildmaterial bedient (renommierte Kunden aus aller Welt, vom Spiegel bis zur New York Times). Zu der bin ich also hingegangen. Initial-Bewerbung, reine Verzweiflung. Die hatten eine furchtbar nette Fotografin da und die hat ganz viele Fotos von mir gemacht. Sehr studiomäßig, mit Blitz und vor weißem Hintergrund, damit man mich später leichter ausschneiden und in das gewünschte Bild einbauen kann. Zwischendurch gabs Energy-Drinks und Powerriegel. Aber so anstrengend war das gar nicht… Ich musste ja bloß posen und das entsprechende Gesicht ziehen.

Tu jetzt mal so als hätteste gerade einen richtig üblen Unfall gesehen… also das Fahrzeug ist ungefähr hier wo ich stehe… liegt auf Kopf und qualmt… und hier liegt so ‘ne halb zerfetzte Leiche, mit abgerissenen Armen oder sowas… jaaa… (klick) voll eklig so… (klick)… kannst ruhig noch ein bisschen ängstlicher… (klick) stell dir richtig vor wie da das ganze Blut und Fleisch… (klick) jaaa, genau so (klick klick klick)… okay, das haben wir. Dann schauen wir mal, was als nächstes kommt… Ah hier… Entsetzen in der Luft… also jetzt guckste nach oben und stellst dir vor, da kommt gerade ‘n Flieger runter… Riesending… brennt volle Kanne und Leute fallen reihenweise aus dem Ding raus… machma so die Handkappe, so als würdeste voll in die Sonne gucken… und Panik, das Teil kommt ja voll auf dich zu… noch mehr PAAANIK… jaaa (klick), sooo (klick), genauuu (klick klick klick klick)…

Den halben Nachmittag habe ich fast hundert Posen vorgeturnt. Die meisten nur rumstehen/sitzen/liegen/knien/kriechen und dabei irgendwohin gucken, es gab aber auch ein paar Stunts… richtig mit durch die Gegend fliegen und so. Naja und gestern gucke ich bei denen auf die Seite und plingpling, schon über vierzig Verkäufe. Die Namen der Käufer kann man selbstverständlich nicht sehen. Logisch, hehe…
Spreche ich mit dem Chef-Redakteur? Guten Tag, mein Name ist Steinbart und ich würde mit Ihnen gerne über Geld reden…
Wer SIND Sie?
Ihr Augenzeuge. Auf dem Cover der letzten Ausgabe? Der hysterische Typ, der die israelische Fahne anzündet? Das bin ich.
Und nach dem trockenen Schlucken beginnen dann unsere Gehaltsverhandlungen. Nee… so etwas wäre doch verantwortungslos, nicht wahr? Geht gar nicht… Mach aber nichts, denn auch so fährt meine neue Beschäftigung solide Kohle ins Hause Steinbart. Und das bei minimalem Aufwand.

Also liebe Leser, sucht mich auf dem Cover von Newsweek, Focus oder Le Monde. Ihr findet mich dort an der Front und mittendrin im Schusswechsel, zwischen den Mollischwingern beim nächsten Aufstand des Volkes, als Ufo-Sichter (“…und als es wieder weg geflogen war, lag dann der Typ mit dem fehlenden Arm da… und der war ganz nackt!“), oder als stationär behandeltes Strahlungsopfer des kommenden Super-GAU. Vollverstrahlt… wie geil. Hier, dem ersten, der irgendwo einen verstrahlten Steinbart findet, dem schmeiß ich ‘ne Party.

Versprochen.

linkesaugehinkt_de_20150225_augenzeuge

Kraftstrom

Ich hänge jetzt an Kraftstrom und die Maschine läuft in den ganz hohen Drehzahlen. Das nächste Buch will raus.

linkesaugehinkt_de_20150216_treu