Mein Lebensmotto

Mütter einer Freiwilligen-Armee, die um ihre zerschossenen Söhne trauern. Selber Schuld steht auf dem Begleitschreiben der Särge (automatisch erstellt und ohne Unterschrift gültig). Das Begleitschreiben finde ich übrigens in einem verwehten Hauseingang in Lichtenberg und hebe es nur auf, weil es so schön zeremoniell aussieht. Die Haustür hinter mir war kurz zuvor ins Schloss gefallen. So ein allerletztes, finales ins-Schloss-fallen. Mit Tränen und ewiger radioaktiver Seuche und allem.

Drauf geschissen. Ich bin Schriftsteller.

Dieses Motto, mein lieber Leser, hat mich schon so manches Mal wieder aufgerichtet und oft auch vor ernsthaften Konsequenzen geschützt. Oh ja. Neulich im Netto an der Sonnenallee zum Beispiel, als Bullen in Zivil mit gezückten Handfeuerwaffen den Laden stürmten und ich in goldenen Penis-Pantoffeln an der Kasse stand und blitzartig die Hände in die Höhe riss, um mich zu ergeben (die Penis-Pantoffeln gehörten nicht mir).

Tja was soll ich sagen, ich kam davon.

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Hallelujah Kammfaiss

Apple-titted Hallelujah lives in a tiny single-roomer right above Herrmannplatz. Her zip code is 10967 and her tomcat is called Pussy. It is the latest cuddle-pet she ordered at the online pet store. For almost a month, Pussy was the Cuddle-of-the-Week, chilling away in a rainbow-coloured frame right on top of the front page. She had to have him.

I love animals. They are so innocent.
Her last pet was a rat female called Ratte. She crushed its skull while opening the kitchen-door in search of it.
I will never forget that sound.
Let me see your clit-piercing now.
Be kind to me. Be innocent.

Rumour has it, that she keeps her sex-toys in the fridge.
Truth is, she doesn’t have a fridge and always eats out.

Hallelujah Kammfaiss is of southern Bavarian origin and lives by some hand-picked commandments of the catholic church. She moved to Berlin about two years ago. Sufficient stacks of cocaine provided, she will blow you right out of your own skintainer and perform a full-scale Jodel while she’s at it.

Don’t go for penetration.
She saves that up for the right one.

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Freiflug

Auf meinem Rezept steht der Abriss, dreimal täglich vor den Mahlzeiten. Auf die schmerzlose Tour: Entspannter Schwebezustand ohne eine alte Vergangenheit, die schnell nochmal vorbeiziehen möchte. Ich trage goldenes Stockduster und einen Ring, der mich an die Sprache bindet (bis das der Tod uns scheidet), hocke halb aufrecht am Tisch, zweimal Weltall im Lichtkegel meiner grünen Schreibtischlampe, draußen ist es still.

Mama…?
Was?
Was macht der Mann da mit seiner Wirklichkeit, Mama?
Guck da nicht so hin. Ich hab dir doch gesagt es ist unhöflich wenn man-
Aber was macht der da?

Also. Eine der möglichen Übungen geht folgendermaßen: Ich setze mich an meinen Tisch, stelle einen großen Spiegel vor mich hin, so dass ich klar und deutlich in meine Augen sehen kannst (inklusive der kleinen, kosmischen Details in der Iris). Dann nehme eine möglichst bequeme Position ein und fixiere den Blick: Direkt in das Schwarz meiner Pupillen. Ich zwinge mich, für mindestens dreißig Minuten diese Position zu halten (kein Kratzen am Arsch, kein übermäßiges Blinzeln, absolute Bewegungslosigkeit). Nach etwa zehn Minuten stellt sich diese ganz spezielle Stille ein. Und dann dauert es nicht mehr lange bis zum Start.

Einfach mal ausprobieren.
(Und wenn es beim ersten Mal nicht gleich hinhaut, dann einfach vor der nächsten Mahlzeit nochmal versuchen.)

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Recherche

Bei Drei auf dem Balkan. Klatschnasse Hemden, gelockerte Krawatten. Handzahme Goldkettchen schlängeln sich lautlos durch üppige Brustbehaarung. Die Hälfte der anwesenden Zähne ist falsch. Zwischen den Bartstoppeln und Autoschlüsseln und Springmessern tanzt ein junges Mädchen zu schallverstärkten Disko-Beats. Die rosa Bühne, auf der sie sich räkelt, dreht sich dabei wie ein Hähnchen-Spieß.

Und die Kehlen in den Sesseln machen Geil!
Und die Kehlen in den Sesseln machen Yeah!

Dabei ist sie weder Geil noch Yeah, bloß eine weitere Sachverständige für Einsamkeit, die ihr Leben zwischen dem letzten und dem nächsten Kompliment verbringt.

(Zwischenmenschliche Grammatik, der Weg ist noch sehr weit.)

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Zufall

Die Hände räuspern sich um fünf Minuten nach fünf und anschließend kneten wir gemeinsam das durch, was man im allgemeinen Sprachgebrauch die eigene Fantasie nennt. Doch das volle Bewußtsein steckt regelmäßig ein viel zu kleines Spielfeld ab, dessen Stacheldrahtzaun bis in die äußeren Schichten der Atmosphäre reicht. Also lassen wir den Zufall diese undankbare Aufgabe übernehmen. Wir brauchen Raum. Und Zufall ist der beste Mann für diesen Job.

Leider hat Zufall einen miserablen Ruf bei den Aufsichtsräten unseres Realitätsgebildes. Ein ungehorsamer Querulant, der sich zu nichts verpflichten lassen will. Noch dazu ist er nahezu unentbehrlich. Einige der wichtigsten Entdeckungen und Errungenschaften sind dem alten Zufall geschuldet. Weit mehr, als wir uns zugestehen möchten. Trotzdem wird seine Beteiligung regelmäßig unter den Teppich gekehrt.

Arme Sau, könnte man meinen.

Muss man aber nicht. Denn Zufall steckt mit Kosmos unter einer Decke. Und die Jungs sind weit jenseits von Ego, die brauchen keine Likes. Tatsächlich sind die armen Säue diejenigen, die nach dem völlig unmöglichen Treffer ihre Studienabschlüsse in die Kamera halten, denn die haben noch gar nichts verstanden.

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Botenstoff

Schlaflose Nacht, schlafloser Tag. Verpacke im Akkord Nachrichten, deren Inhalt oder Absender ich nicht kenne… nichtmal deren Substanz… die von irgendwo außerhalb des Bewußtseins kommen. Blinde Passagiere meiner Bilder. Kurve mit verbunden Augen durch dieselben Bunten, mit wedelnden Armen und Augen, atemloser Freiflug, rase über Tasten, tippe ohne Denke.

Meine Hausärztin hat ihre Aufsichtspflicht verletzt.
Ich lache Amok.

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